Schwarzer See Durmitor: der Gletschersee-Spaziergang für jedermann
Wie schwer ist die Wanderung zum Schwarzen See in Durmitor?
Einfach. Der Hauptrundrundweg um Crno Jezero ist 3,6 km und dauert in entspanntem Tempo ca. 1 Stunde. Der Weg ist gut gepflegt und eben; keine Spezialausrüstung nötig. Geeignet für Kinder, ältere Besucher und alle, die mit einem einfachen Spaziergang vertraut sind.
Durmitors zugänglichstes Wunder
Crno Jezero — der Schwarze See — liegt auf 1.416 Metern Höhe in einer glazial geformten Mulde unterhalb von Durmitors Karstgipfeln. Sein Name kommt nicht von der Wasserfarbe, die je nach Tiefe und Licht von klarem Türkis bis tiefem Blaugrün reicht, sondern von dem dichten schwarzen Kiefernwald (Pinus nigra), der seine Ufer umrandet. Aus der Luft ist das Kronendach so gleichmäßig und dunkel, dass der See in poliertem Obsidian zu liegen scheint.
Dies ist eine jener seltenen Natursehenswürdigkeiten, die fast keine Anstrengung erfordert, aber eine überproportionale Belohnung liefert. Der Rundweg um den Hauptsee ist 3,6 km und dauert kaum eine Stunde. Kinder, die einen Kilometer laufen können, können ihn abschließen. Und doch gelingt es dem See, sich wirklich wild anzufühlen — die Reflexionen der Medjed- und Šljeme-Gipfel, die Stille des tiefen Waldes und der gelegentliche Murmeltierrruf von den felsigen Hängen oben schaffen zusammen ein Gefühl echter Bergeinsamkeit.
Žabljak, die kleine Hochlandstadt 1,5 km vom See, ist das Tor und die Übernachtungsbasis für alle, die mehr als einen Tag im Nationalpark Durmitor verbringen.
Die Geologie: Wie Durmitors Seen entstanden
Durmitor beherbergt 18 Gletscherseen, lokal gorske oči genannt — „Bergaugen”. Sie alle entstanden während der letzten Eiszeit (ca. 20.000–15.000 Jahre vor heute), als Gletscher, die vom Durmitor-Massiv vorrückten, Hohlräume im Kalkstein schufen. Als die Gletscher sich zurückzogen, füllten sich diese Hohlräume mit Schmelzwasser.
Crno Jezero ist der größte und niedrigste davon. Es sind eigentlich zwei Seen, die durch einen schmalen Isthmus verbunden sind: Veliko Jezero (der Große See, ca. 514 Meter lang) und Malo Jezero (der Kleine See, ca. 250 Meter lang). Zusammen bedecken sie ca. 5 Hektar mit einer Maximaltiefe von 49 Metern im größeren Becken.
Der Haupt-Rundweg (3,6 km, 1 Stunde)
Der Standardweg umrundet Veliko Jezero und ist gut gepflegt mit klarer Wegmarkierung. Der Weg besteht meist aus weichem Waldboden mit einigen Wurzelabschnitten nahe dem Wasser; ordentliches Schuhwerk ist ratsam, aber Wanderschuhe oder feste Turnschuhe reichen.
Ausgangspunkt: Der Parkplatz unterhalb des Sees, ca. 1,5 km vom Žabljak-Zentrum. Der Weg zum Seeparkplatz ist klar ausgeschildert.
Die Route: Vom Parkplatz fällt der Weg zum Seeufer und teilt sich sofort in eine Uhrzeigersinn- und Gegenuhrzeigersinnoption. Beide sind gleich gut; die meisten Wanderer gehen im Uhrzeigersinn (links, zunächst dem Nordufer folgend). Das Nordufer führt am Wasser entlang unter schwarzem Kiefernwald, mit häufigen Ausblicken über den See zu den Gipfeln dahinter.
Der Isthmus: An dem Punkt, wo Veliko Jezero sich zu Malo Jezero verengt, verbindet eine kleine Steinbrücke die Ufer. Dies ist der am meisten fotografierte Abschnitt des Weges — die Brücke rahmt eine Aussicht auf beide Seen gleichzeitig ein.
Gesamter Höhengewinn: Minimal — unter 30 Meter. Dies ist ein Seerandspaziergang, keine Bergbesteigung.
Die Erweiterung zum oberen See: Malo Jezero (1–1,5 Stunden mehr)
Malo Jezero liegt auf der anderen Seite des Isthmus vom Parkplatz. Ein Weg setzt um seinen Umfang fort — kleiner, ruhiger, mit weniger Besuchern — und steigt dann steil in das Tal dahinter in Richtung der unteren Hänge des Medjed-Gipfels hinauf.
Die Erweiterung vom Isthmus bis zum Talende hinter Malo Jezero ist markiert, erfordert aber ordentliche Wanderstiefel und vernünftige Fitness (ca. 300 Meter Aufstieg vom See). Die Aussichten vom oberen Tal zurück auf die beiden Seen sind außergewöhnlich.
Schwimmen: kalt, sauber und lohnenswert
Das Schwimmen ist in beiden Seen erlaubt. Im Juli und August erreicht die Wassertemperatur in den Flachwasserbereichen 12–15 °C — kalt genug, um einem anfangs den Atem zu rauben, warm genug, um mehrere Minuten zu schwimmen, wenn man kältebeständig ist. Die Wasserklarheit ist aus der Nähe bemerkenswert: Man kann den Kieselsteinboden bei 4–5 Metern Tiefe von der Oberfläche aus sehen.
Die besten Einstiegspunkte sind die kleinen Kies- und Felsabschnitte am Nordufer von Veliko Jezero und die flache Bucht am Isthmus. Es gibt keine Sandstrände; Badeschuhe tragen, wenn felsige Einstiege unangenehm sind.
Früh morgens (vor 10 Uhr) ist die beste Schwimmzeit: Der See ist spiegelglatt, das Licht niedrig und weich, und man hat das Ufer oft für sich allein.
Mlinski Potok: der Mühlbach-Pfad
Zwischen Žabljak und dem See fließt der Mlinski Potok (Mühlbach) durch ein beschattetes Tal mit mehreren alten Mühlenruinen. Ein 1-km-Pfad folgt dem Bach vom Stadtrand zum Seeparkplatz durch Birken- und Kiefernwald. Wanderer, die die Straße lieber meiden, können diesen Pfad in beide Richtungen nehmen.
Wildtiere und Pflanzen
Der Wald um Crno Jezero enthält:
- Pinus nigra (Schwarzkiefer) — die dominierende Art, die dem See seinen Namen gibt
- Braunbären — im Nationalpark Durmitor vorhanden, aber sehr selten nahe dem See selbst
- Fischotter — gelegentlich in der Dämmerung an den Seemarginen zu sehen
- Bachforellen und Äschen — der See ist ein geschütztes Fischgebiet; kein Angeln ohne Parkgenehmigung
- Mauersegler — nistend auf den oberen Felswänden, die vom Südufer aus sichtbar sind
Anreise
Ab Žabljak-Zentrum: 1,5 km auf dem Straßen- oder Mlinski-Potok-Pfad. Fußweg dauert 20 Minuten.
Ab Kotor: 2h30–3h über Nikšić und Šavnik.
Ab Podgorica: 2h15 über Nikšić.
Ab Sarajevo (Bosnien): 3h über Foča und Šćepan Polje.
Es gibt keine Direktbusverbindung zu Crno Jezero. Žabljak wird von einem täglichen Bus aus Podgorica bedient; vom Žabljak-Busbahnhof ist der See zu Fuß oder per Kurztaxi erreichbar.
Nationalpark-Eintrittsgebühr
Der Nationalpark Durmitor erhebt eine Eintrittsgebühr für Fahrzeuge, die in die Parkzone einfahren. In 2025/2026 betrug die Gebühr ca. 6–8 € pro Person oder 10–12 € pro Fahrzeug für eine Tageskarte. Gebühren werden an einem kleinen Häuschen auf der Straße von Žabljak zum See erhoben.
Was mitnehmen
Für den Haupt-Rundweg (1 Stunde):
- Komfortable Turnschuhe oder Wanderschuhe (keine Spezial-Bergstiefel nötig)
- Wasser (mindestens 500 ml; keine Einrichtungen auf dem Weg)
- Sonnencreme (die offenen Abschnitte fangen erhebliche UV auf 1.400 m Höhe)
- Leichte winddichte Jacke (der See schafft ein Mikroklima, das 2–3 °C kühler ist als Žabljak)
Beim Schwimmen:
- Badeanzug, kleines Handtuch, Badeschuhe für felsige Einstiege
Crno Jezero mit anderen Aktivitäten kombinieren
Tag 1: Ankunft in Žabljak, Schwarzer-See-Spaziergang und Schwimmen am Nachmittag, Abendessen in der Stadt
Tag 2: Ganztages-Tara-Rafting — das Ausstiegspunkt liegt 45 Minuten von Žabljak
Tag 3: Wanderung zu einem höheren See (Vražje Jezero, Teufelssee) oder der Bobotov-Kuk-Gipfel (2.523 m)
FAQ
Können Kinder die Schwarze-See-Wanderung machen?
Ja. Der Rundweg ist eben, gut gepflegt und 3,6 km lang. Kinder, die 2–3 km ohne Hilfe laufen können, schaffen ihn bequem. Kinder ab 4 Jahren bewältigen ihn typischerweise problemlos.
Gibt es ein Café oder Restaurant am See?
Ein kleiner saisonaler Snackstand betreibt nahe dem Hauptparkplatz im Juli und August. Für eine vollständige Mahlzeit nach Žabljak zurückkehren.
Um welche Zeit sollte ich ankommen, um Menschenmassen zu vermeiden?
Bis 8–9 Uhr an Wochenenden im Juli und August ankommen. Bis 11 Uhr ist der Parkplatz oft voll. Wochentage im Juni und September sind den ganzen Tag über ruhiger.
Kann ich im Crno Jezero angeln?
Das Angeln ist im Nationalpark reguliert. Eine spezifische Genehmigung ist erforderlich. Der See enthält Bachforellen und Äschen. Im Nationalpark-Besucherzentrum in Žabljak nach aktuellen Genehmigungsvorschriften fragen.
Ist der Weg im Winter geöffnet?
Der Weg ist technisch ganzjährig zugänglich, aber im Winter wird der Pfad eisig und schneebedeckt. Žabljak verzeichnet regelmäßig Montenegros schwersten Schneefall.